Mestemacher Rezepte Wie entsteht ein Vollkornbrot? Westfälischer Pumpernickel
Von der Dorfbäckerei zum Weltmarktführer für Pumpernickel und Vollkornspezialitäten - Das Unternehmen und seine Geschichte
Die Geschichte der Großbäckerei begann im Jahr der Deutschen Reichsgründung 1871. In diesem Jahr wurde Wilhelm der I. im Spiegelsaal des Schlosses von Versailles gegen Ende des Deutsch-Französischen Krieges zum Deutschen Kaiser gekrönt und der Schuhmachermeister Johann Heinrich Mestemacher richtete in Gütersloh für seinen 20-jährigen Sohn und Bäckermeister Wilhelm eine Bäckerei ein.
Wilhelm Mestemacher gründete dann nach mehr als 35 Jahren als Stadtbäcker 1910 eine Spezialbäckerei für Pumpernickel. Zur Gründung der Spezialbäckerei bewegten Wilhelm Mestemacher die guten Marktchancen des Pumpernickels, der im 19. Jahrhundert auch über Westfalens Grenzen hinaus bekannt und in den städtischen Haushalten wohlhabender Familien zu einer Delikatesse geworden war. Weitere Käufergruppen konnte Wilhelm Mestemacher bei den Anhängern der Lebensreformbewegung erwarten. Diese Ende des 19. Jahrhunderts entstandene Bewegung kritisierte die negativen Folgen der Industrialisierung auf den Menschen und rief zur Rückkehr zu „natürlichen“ Lebensformen auf. Dazu gehörte auch eine vollwertige Kost. 1911 verstirbt Wilhelm Mestemacher. Seine Ehefrau Sofie, geb. Wulfhorst, übernimmt die Leitung der Spezialbrotbäckerei. Sie brachte das Unternehmen durch den Ersten Weltkrieg. Krieg und Inflation scheinen dem Unternehmen nicht geschadet zu haben. Anfang 1936 vermachte Sofie Mestemacher die Pumpernickelbäckerei ihren Söhnen Paul und Heinrich. Nach Paul’s Tod tritt dessen Frau Katharina, geb. Ricklefs, als Gesellschafterin ins Unternehmen ein. 1943 verstirbt Heinrich Mestemacher. Lore Mestemacher, die Enkelin des Firmengründers und ihr späterer Mann, Willy Schittenhelm, übernehmen nach dem 2. Weltkrieg die Zügel der Unternehmensleitung in ihre Hände. Das Unternehmen expandiert zunächst, verliert dann aber ab den 1970er Jahren an Innovationskraft und Umsatz. Mit 70 Jahren entscheiden sich Willy und Lore Schittenhelm sowie die beiden Söhne, die die Nachfolge nicht antreten wollen, den Betrieb zu verkaufen. Käufer sind 1985 unsere Familien Detmers. Und so wird das Top-Management von Mestemacher heute von meinem Mann Albert Detmers, meinem Schwager Fritz Detmers und mir, Ulrike Detmers, repräsentiert. Wir vertreten die Bäckerfamilie Detmers, deren Ursprung 1904 in Bielefeld-Jöllenbeck zu finden ist. Dort eröffnet der Bäckermeister Fritz Detmers, Opa der Brüder Albert und Fritz, mit finanzieller Hilfe seiner Frau Friederike die kleine Dorfbäckerei Detmers. Während des 1. Weltkriegs, als Fritz im Krieg kämpfte, leitete Friederike mit Hilfe ihres jungen noch nicht 14-jährigen Sprösslings Albert, das kleine Unternehmen. Zurückgekehrt aus dem Krieg fing Fritz Detmers 1927 an, geschnittenen Pumpernickel und Vollkornbrot in Stanniol-Folie zu verpacken und ins Lipperland zu exportieren. Später übernahm Sohn Albert, inzwischen selbst Bäckermeister, das Ruder und vertrieb mit großem Erfolg in eigenen Frischdienstfahrzeugen frisch verpackte und geschnittene Brote für das SB-Brotregal an den Lebensmitteleinzelhandel in Ostwestfalen-Lippe und später im Hannoveraner Raum. Alberts Frau Magdalene, geborene Brünger, half ihrem Mann tatkräftig dabei, dafür zu sorgen, dass vom Backen bis zum Liefern alles reibungslos klappte. Die verschärfte Konkurrenz durch expandierende Großbäckereien in den Vertriebsgebieten OWL, Lippe und Hannover führte zur Schrumpfung der Umsätze. In den 70er Jahren übernahmen mein Mann Albert und mein Schwager Fritz die Leitung. Fritz’ Frau Helma, eine geborene Strehle, war als kaufmännische Angestellte ebenfalls bei der Firma Detmers engagiert. Ich unterstützte die beiden Geschäftsführer durch Verkaufsförderung am Point of Sale. Qualitätsverbesserungen und Produktinnovationen führten dazu, dass der Umsatz der Lieferbäckerei Detmers wieder anwuchs. Zunehmender Verfall der Gewinnspanne durch die wachsende Einkaufsmacht von Handelsunternehmen und die Kauflaune der expandierenden Lieferbäckerei Wendeln (heute Lieken AG), führten Mitte der 1980er Jahre dazu, die regional bekannte Brotmarke Detmers und den zugehörigen Brotfrischdienst an die Großbäckerei Wendeln zu verkaufen. Ein Teil des Verkaufserlöses floß 1985 in den Kauf der Mestemacher GmbH. Aus dem Brotfrischdienst zogen wir uns vollständig zurück, aus dem Brotgeschäft jedoch nicht. Wie Detmers auch vor dem Verkauf, produziert Mestemacher Brotspezialitäten wie Pumpernickel und Vollkornbrote mit langer Genussfrische in ungeöffnetem Zustand. Die Brotspezialitäten sind sehr gut geeignet für die Bevorratung mit herzhaften Broten. Internationale Brotspezialitäten ergänzen das klassische Brotangebot von Mestemacher.
Die klassischen deutschen Vollkornbrote und Pumpernickel exportiert die dynamische Großbäckerei in über 80 Länder der Erde. Mestemacher hat sich insbesondere in den letzten Jahren zum Weltmarktführer von verpackten Brotspezialitäten entwickelt.

Historischer Vertrieb mit dem Fahrrad

Unternehmensentwicklung der Mestemacher-Gruppe